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Die KirchenglockenAm 10.8.1874 sagte Pfarrer Christian Gotthelf Theodor Hermann (in Wintersdorf 1859-1874) in seiner Predigt: „Als am letzten Palmsonntag unsere große Glocke zersprang, da wurde unser ganzes Kirchengeläute unbrauchbar, welches nun 266 Jahre die Gemeinde zum Gotteshaus […]“, rief. „[…]Diesen Mangel haben wir seitdem schwer empfunden.“ Von diesen alten, von Hermann König 1608 in Erfurt gegossenen Glocken hatte die große in der Mitte das Bild des Heilandes mit dem Kreuze und oben die Inschrift: „Ich schwebe zwischen Himmel und Erden und rufe allen, die woll’n selig werden“; die kleine: „Gottes Wort bleibt ewig“. Die mittlere hatte eine alte Inschrift, die man damals nicht entziffern konnte. An dem 10.8.1874 lagen auf dem Platz vor der Kirche fünf Kanonenrohre, die Landwirt Thurm aus Gröba mit vier Pferden vom Bahnhof Breitingen abgeholt hatte. Aus den Kanonenrohren wurden Friedensboten, Glocken für Wintersdorf. Nach Pfarrer Hermann Weise (in Wintersdorf von 12/1874-1898) stand auf der großen Glocke: „Heiligen Geistes Kraft und Schein zieh in aller Herzen hinein. Kaiserglocke. Auf huldvolle Fürsprache unseres geliebten Herzogs Ernst schenkte der deutsche Kaiser Wilhelm der Siegreiche zu diesem Geläut 5 im Krieg 1870 eroberte französische Kanonen. In Gott schallen unsere Töne fromm, einig stark und rein, so mögen Deutschlands Söhne zu Deutschlands Heile sein.“ Auf der mittlere Glocke stand: „Gott des Vaters Lieb und Gnad schaue auf sein Volk herab“, und auf der kleinen: „Jesu Christi theures Blut mache allen Schaden gut“. Alle 3 Glocken trugen noch die Inschrift: „Gegossen von den Gebrüdern Ulrich zu Laucha a./U. 1874“. Ihr Gewicht betrug 1240kg / 670kg / 300kg. Im ersten Weltkrieg sollten sie abgeliefert werden, wurden aber nach Einspruch der Kirchgemeinde und auf Grund des Gutachtens von Baurat Wanckel verschont. Im Winter 1941/42 begann ein erneutes großes Glockensterben. Die beiden größten mussten nun herabgeholt werden. Aus Glocken wurden wieder Kanonen. Doch 1953 konnten bei der Firma Schilling & Lattermann in Apolda zwei neue Stahlglocken mit dem moll-Te-Deum g – b – c in Auftrag gegeben werden, die schließlich am 15.11.1955 per Bahn eintrafen. Das feierliche Abholen der Glocken fand einen Tag später, am Bußtag, die Glockenweihe am 27.11.1955 satt. Interessant ist der Bericht von Pfarrer Hans Richter (in Wintersdorf von 1946-1974) aus einer politisch schwierigen Zeit: „Bußtag 1955. Posaunentöne erklingen. Vom Dorfeingang her bewegt sich ein nicht alltäglicher Zug: Voran der Kreuzträger und die Kurrende, danach die Konfirmanden und Schulkinder, der Kirchenchor und eine große Anzahl Gemeindemitglieder mit dem Gemeindekirchenrat. Sie alle geleiten den Glockenwagen mit den beiden neuen Stahlglocken zur Kirche. Vom Turm erklingt der Gruß der einzigen noch verbliebenen Bronzeglocke. Advent 1955. Nachdem Handwerker, Arbeiter und Bauern in freiwilligem Einsatz die Glocken auf den Turm gebracht hatten, konnte die Glockenweihe unter großer Beteiligung der Gemeinde vollzogen werden. Oberkirchenrat Herden predigte […] und weihte die Glocken zu ihrem Dienst. Nun rufen sie zusammen mit der alten Betglocke die Gemeinde wieder vereint zum Gottesdienst. Sie haben die gleichen Inschriften, die auch die alten Glocken trugen; die Taufglocke: „Gott des Vaters Lieb und Gnad schaue auf sein Volk herab“, und die Friedensglocke: „Heiligen Geistes Kraft und Schein zieh in aller Herzen hinein“. 1980 erhielt die Kirchgemeinde Wintersdorf eine Läuteanlage von der Partnergemeinde Botnang. Die jetzigen Glocken haben als größten Durchmesser, Gewicht, Klang: große Glocke (1955): 130cm / 840kg / g‘, mittlere Glocke (1955): 96cm / 340kg / b‘, kleine Glocke (1874): 80cm / 300kg / c‘‘. Die Disposition: Lucka / WintersdorfEv.-Luth.KirchgemeindeImpressum Auf den folgenden Seiten finden Sie weitere Beiträge unserer Besucher: Kirche Wintersdorf (Ostthüringen)Evangelisch-Lutherische KircheGeleitwortJubiläen sind geschichtliche Höhepunkte im Leben eines Menschen oder einer Kirchgemeinde: 100 Jahre sind vergangen, seitdem die Wintersdorfer Kirche eingeweiht wurde. Generationen vor uns haben Mühen und Opfer nicht gescheut, um unsere wunderschöne Kirche entstehen zu lassen. Erbe und Überlieferung, Glaube und Verkündigung verschmelzen miteinander. Und die Kirche ist zur sprechenden Zeugin dessen geworden, was Menschen auch vor 100 Jahren bewegt hat: „Friede sei mit euch“, mit diesen Worten werden wir am Kirchenportal empfangen. Maria lauscht den Worten Jesus – ganz aufs Hören kommt es an. Jedes Zeichen und Symbol vertieft die christliche Botschaft: Der Turm ragt wie ein langer Finger in den Himmel, zeigt uns etwas von einer anderen Welt. Die Glocken rufen zu Andacht und Gebet. Die großen Zeiger der Turmuhr erinnern uns daran: „Meine Zeit steht in deinen Händen, Herr“. Kreuz und Altar weisen auf ihn hin, der uns vorangeht und dem wir getrost folgen dürfen. Die Orgel übermittelt den lieblichen Klang einer himmlischen Stimme. So wird unsere Kirche zu einer Predigt und jeder ist eingeladen ihren Worten zu lauschen – sie ist Gestalt gewordene Treue Gottes zu seinen Menschen. Der Erinnerung und dem Dank soll dieses kleine Büchlein Ausdruck verleihen. Mein Dank gilt all jenen, die zur Entstehung dieser kleinen Schrift beigetragen haben.Pfarrer Hans NitzscheWintersdorf, Sommer 2007 2513 Gemeinsamer Gottesdienst ... Wir laden Sie herzlich ein! http://www.kirche-wintersdorf.de http://www.magix.com Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player. |